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Das erste mal… in der Kinderwunschklinik

Der erste Besuch in der Kinderwunschklinik.

Ja, wie beschreibt man den?

Gefühlstechnisch ein bisschen wie ein Schuldeingeständnis.

„Es liegt auf der Hand, daß bei euch was nicht stimmt…wie lange genau habt ihr geplant euch weiter was vorzumachen?“

Mein Frauenarzt hatte ja schon seit über einem Jahr versucht mich zu überreden endlich einen Termin zu machen.

O-Ton: „Frau Hirsch, in 70% der Fällen sind die Männer schuld! Ihr Mann sollte mal ein Spermiogramm machen lassen! Der is doch schon über 40!“

Der ist echt der Geilste!!

Dabei war ja eigentlich schon die längste Zeit sonnenklar, daß nach über 20 Jahren Endometriose, zwei Operationen und einem Eierstock inklusive Eileiter weniger, ICH die Übeltäterin war!

Frau Hirsch, ich versuche bei Ihnen untenrum in Zukunft so wenig wie möglich rumzuschnibbeln. Am besten einfach in Ruhe lassen!“

Es geht ja eh nicht um Schuldzuweisungen! Die wenigsten sind direkt verantwortlich, wenn der Körper halt einfach nicht mitspielt!

Hat ja keiner laut HIER gerufen als Endometriose, Gendefekte und sonstige spassige Gefährten von Unfruchtbarkeit verteilt wurden!

Da sassen wir also in einem renommierten Schweizer Kinderwunschzentrum und starrten auf ein überdimensionales Aquarium. Im Warteraum gähnende Leere.

Wo waren denn alle anderen zeugungs-und empfängnisunfähigen Menschen?

Legte man die Termine absichtlich so, daß man sich nicht über den Weg lief?

Daß man sich die Peinlichkeit der eigenen Anwesenheit ersparte? 

Am Ende kannte man sich noch…

Ach schau an, ihr hier…braucht wohl auch Hilfe im Bienchen-Blümchen Department!“

Lustigerweise machten wir später in einer tschechischen Kinderwunschklinik eine komplett gegenteilige Erfahrung.

Stimmung: Bahnhofshalle!

Irgendwie auch verstörend aber gleichzeitig auflockernd!

Ich muss dazu sagen, daß mein Mann und ich uns niemals wirklich schlecht oder komisch gefühlt haben in eine Kinderwunschklinik zu gehen. Ich hatte auch nie ein Problem da offen drüber zu sprechen.

Ich weiss aber, daß es Paare gibt, bei denen eine gewisse Scham mitschwingt.

Paare, die vielleicht mit dem Thema nicht so locker flockig umgehen können. Und besonders dann ist es enorm wichtig, daß die Klinik die Richtige ist.

Nur, wie kann man das bestmöglich entscheiden?

Man wird natürlich gaaaaanz viel recherchieren. Manchmal hat man beim Erstbesuch auch gar kein grosses Mitspracherecht, weil man vom Frauenarzt oder vom Hausarzt überwiesen wird.

Für uns war erstmal klar wo wir hingehen, weil diese Klinik in unserer unmittelbaren Umgebung liegt. Gleichzeitig wussten wir aber auch, daß wir für eine tatsächliche Behandlung ins Ausland gehen würden.

MUSSTEN!

Zufällig gerade gross geerbt?

Eine Bank ausgeraubt?

Im Lotto gewonnen?

Nein?

Dann sind die Chancen sehr gering, daß man sich in einem Schweizer Kinderwunschzentrum behandeln lässt!

Steht ihr gerade vor der Frage welche Klinik für euch die passendste ist?

Hier einige wichtige Kriterien, die euch bei der Entscheidungsfindung helfen:

  1. Annahme durch die Praxis

Manche Praxen nehmen nur Patientinnen bis zu einem bestimmten Alter oder Gewicht an!

Ziemliche Schikane, ich weiss! Wer darf einfach so beschliessen, daß jemand zu alt oder zu dick für ein Baby ist…solange keine Gefahr für Mutter oder Kind besteht.

Wenn du also zu einer der beiden Risikogruppen gehörst und dich schon auf eine gewisse Klinik eingeschossen hast, dann klär das lieber ab, bevor du dann enttäuscht wirst.

  1. Erfolgsraten

Erfolgsraten können je nach behandeltem Patiententyp und angebotenen Behandlungen variieren. Kinderwunschkliniken veröffentlichen in der Regel die Zahl der durchgeführten Behandlungen, die klinische Schwangerschaftsrate und die Rate der Lebendgeburten pro Jahr.

Vor allem natürlich wenn diese Rate hoch ist!

Aber auch wenn da steht, daß Versuch X zu soundsoviel Prozent positiv sein wird, heisst das leider noch lange nicht, daß es bei euch auch so sein wird.

Ich weiß zu gut, daß man sich da schnell mal an Zahlen klammert, die man auf der Webseite gefunden hat. Aber seid euch bewusst, daß diese Erfolgsrate wirklich nur EIN Kriterium unter mehreren ist!

  1. Ort

Am besten die Klinik direkt vor der Haustür, oder?

In der Mittagspause fix zur Punktion? Gar kein Problem!

Eine Kinderwunschbehandlung ist vom zeitlichen Aufwand her mit einem Zweitjob zu vergleichen! Der Faktor Ort steht meistens aber in direktem Zusammenhang mit dem nächsten Kriterium-den Kosten.

  1. Kosten

Jede Kinderwunschklinik  nutzt ihr eigenes Abrechnungssystem, daher variieren die Preise auch extrem. Für uns war wie gesagt klar, dass wir uns eine Behandlung in der Schweiz nicht leisten können.

Da schaust du dir die Preisliste an und bekommst Tränen in den Augen!

Auf der anderen Seite muss man natürlich auch bedenken, daß bei einer Klinik im Ausland die Reisekosten dazu kommen. Benzin, Flugtickets, Hotelübernachtungen.

Am besten einfach mal Preise vergleichen, euer Bankkonto checken und dann abwägen, was für euch am meisten Sinn macht.

  1. Art der Behandlung

Was genau wird denn überhaupt gemacht?

Darüber sind sich viele Paare bei einem Erstbesuch überhaupt nicht im Klaren. Wie auch?

Bevor die grundlegenden Untersuchungen nicht durch sind, tappt man eh im Dunkeln.

Für beispielsweise eine Eizellspende, so wie bei uns der Fall, MUSS man ins Ausland.

Die ist nämlich in der Schweiz und auch in Deutschland nach wie vor verboten. Auch eine Leihmutterschaft ist in unseren Landen nicht erlaubt. Da muss man sich dann entweder in Russland oder in den USA behandeln lassen.

  1. Reproduktionstechniken

Die im Labor einer Kinderwunschklinik verwendeten Technologien können Einfluss auf den Verlauf einer Schwangerschafts-Behandlung haben. Fragt also in eurer  Praxis nach, welche Technologien bei Bedarf verwendet werden.

  1. Psychologische Beratung und Unterstützung

Eine Kinderwunschbehandlung ist kein Ponyhof.

Ihr werdet mit den unterschiedlichsten Emotionen konfrontiert werden.

Enttäuschung, Trauer, Wut, Ungeduld, Angst. Und die Hormone tun ihr übriges!

Psychologische Unterstützung während der Behandlung ist sehr wichtig. Erkundigt euch, ob eure Praxis kostenfreie psychologische Unterstützung anbietet oder ob es eine Selbsthilfegruppe gibt, der ihr euch bei Bedarf anschließen könnt.

  1. Last but not least: Der erste Eindruck

Ganz ehrlich, wenn ihr euch endlich dazu durchgerungen habt einen Termin in einer Kinderwunschklinik zu machen,  und voller Vorfreude und Erwartungen und Aufregung durch die Tür kommt und dann erstmal von der Rezeptionistin angepampt werdet…nicht so geil!

Wenn euch mehr negative als positive Vibes im Wartezimmer entgegenströmen und ihr nicht wirklich einordnen könnt was da gerade passiert.

Vielleicht hat die Gute an der Rezeption einfach einen schlechten Tag.

Vielleicht ist es aber einfach nicht die richtige Klinik für euch!

Es sollte gefühlsmässig wirklich zu 100% für euch beide stimmen. Und Termin hin oder her, ihr habt jederzeit das Recht eure Meinung zu ändern und weiterzusuchen!

Mein Mann und ich waren in drei verschiedenen Kliniken. Nicht weil wir uns nicht wohlgefühlt hätten, es war eher eine logistische Entscheidung. Und jede dieser Kliniken war anders und individuell.

Noch waren wir aber in der Schweizer Klinik und warteten auf unser Erstgespräch. Die Fische im Aquarium nach wie vor die einzigen Lebewesen weit und breit.

Über was spricht man denn überhaupt bei so einem ersten Treffen mit dem Arzt/der Ärztin?

Weil über den eigenen unerfüllten Kinderwunsch zu erzählen ist ja schon nicht ganz so leicht.

Soviel kann ich euch schonmal sagen:

Ihr müsst euch nackig machen, sprichwörtlich!

Und auch was euer intimstes Privatleben angeht. Da wird kein Blatt vor den Mund genommen. Ist ja auch irgendwie logisch!

Der Weg zum Kind erfordert Zeit, Verständnis und Geduld.

Die Behandlungen können mehrere Monate oder sogar Jahre in Anspruch nehmen. Möglicherweise müsst ihr Angaben oder Tests im Behandlungsverlauf mehrfach wiederholen.

Und es stellen sich viele Fragen. Sowohl beim behandelnden Arzt als auch bei euch selbst!

Manche Kliniken stellen Infobroschüren zur Verfügung, damit man sich bestmöglichst auf das Gespräch vorbereiten kann. 

Diese drei Themegebiete werden mit Sicherheit angesprochen werden:

-Details zu eurer Krankengeschichte und eurem Leben

-Ernährung und Lebensweise

-Derzeitiges Sexualleben und seit wann ihr schon versucht schwanger zu werden

Unangenehm!

Aber vergesst nicht, daß diese Ärzte den lieben langen Tag nichts anderes machen.

Was euch vielleicht einiges an Überwindung kostet, ist für die Routine!

Wichtig ist auch, daß ihr euch überlegt was IHR fragen wollt.

Schreibt euch eine Liste, damit ihr nichts Wichtiges während dem Gespräch vergesst.

Denn das werdet ihr 😉

-Welche Tests werden als erstes durchgeführt?

-Wie ist der genaue Ablauf und was müssen wir dabei beachten?

-Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

-Wie hoch liegen die Erfolgschancen?

-Wieviele Besuche in der Klinik muss man einplanen?

-Werden in der Praxis genetische Tests durchgeführt?

-Gibt es bei Bedarf eine Samenspendebank?

-Was passiert nach der Entnahme der Eizellen?

-Wieviele Embryonen werden pro Zyklus transferiert?

-Welche Unterstützung wird nach dem Transfer angeboten?

-Können die Eizellen oder Spermien eingefroren werden?

Tja, da kommt so einiges zusammen!

So ähnlich lief auch unser erstes Gespräch ab. Wir haben Fragen beantwortet aber auch sehr viele Fragen gestellt.

In so einer Situation fühlt man sich schnell hilflos und vielleicht auch überfordert. Indem ihr die Initiative ergreift und SELBST Fragen stellt, behaltet ihr zumindest ein stückweit die Kontrolle über das was passiert!

Und wo wir schon über Kontrolle sprechen…

Bereitet euren Körper so gut wie möglich auf die Therapie vor.

Das gilt nicht nur für dich meine Liebe! Auch die Qualität der Spermien hängt von der richtigen Lebensweise und einer gesunden und ausgewogenen Ernährung ab!

Die Männer denken immer sie müssen nur einmal kurz in einen Becher … und die Sache ist erledigt. Aber genau für diesen Moment, auch wenn er nur sehr kurz ist, sollten die Voraussetzungen doch so ideal wie möglich sein, oder?

Vor allem wenn man dafür so viel Kohle investiert!

Dein Körper, meine Liebe,  spielt natürlich die Hauptrolle!

Wenn du daran interessiert bist, wie du dich ernährungstechnisch bestmöglichst auf eine Kinderwunschbehandlung vorbereiten kannst, dann lies gerne meinen Blogbeitrag „Endometriose, ja ich ergänze!“ 

Der Beitrag ist nicht ausschliesslich für Endometriose Patientinnen geschrieben, sondern richtet sich an jeden, der seinem Körper etwas Gutes tun will!

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Ich würde mich auch sehr über dein Feedback freuen!

Hast du offene Fragen zum ersten Besuch in der Kinderwunschklinik?

Hast du durch deinen eigenen Erfahrungen etwas zu ergänzen, von dem andere Leserinnen profitieren könnten?

Dann lass mir doch gerne einen Kommentar da!

Alles Liebe,

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